🍯 Juli: Der süßeste Monat des Jahres
Für viele Konsument:innen ist Honig einfach ein Genussmittel. Für uns Imker:innen ist er mehr: ein Naturprodukt mit Verantwortung.
Im Juni/Juli erreichen die Honigräume ihre volle Pracht. Die Tage sind lang, die Völker stark, der Nektarfluss war – hoffentlich – gut. Jetzt ist der Moment gekommen, auf den wir seit dem Frühjahr hingearbeitet haben: die Honigernte.
Aber kaum ein anderer Moment im Bienenjahr ist so ambivalent. Denn während wir den goldenen Ertrag schleudern und abfüllen, müssen wir gleichzeitig eine zentrale Frage stellen:
Was bleibt den Bienen übrig?
🐝 Honig ist kein Nebenprodukt – sondern Vorratskammer
Viele vergessen: Honig ist das natürliche Futter der Bienen.
Was wir ernten, war ursprünglich nicht für uns gedacht – sondern für den Winter. Die Bienen legen sich diesen Vorrat an, um damit durch dunkle, kalte Monate zu kommen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Insekten überleben Bienen als Volk – und brauchen deshalb Energie, um sich warm zu halten.
Je nach Jahr und Standort tragen Bienen 20–40 kg Honig ein. Davon benötigen sie selbst rund 15–20 kg für den Winter.
Das heißt: Wer erntet, muss ersetzen.
⚖️ Ernten mit Verantwortung
Bei Gabriel Honig folgen wir einem einfachen Grundsatz:
Wir nehmen nur so viel Honig, wie wir guten Gewissens ersetzen können.
Das bedeutet:
- Erst prüfen, wie viel Honig eingetragen wurde
- Nie alles entnehmen – in besonders schwachen Jahren bleibt der Honig einfach drin
- Sofort nach dem Schleudern zufüttern, damit keine Unterversorgung entsteht
- Die Völker erhalten ein hochwertiges Zuckerwasser (meist im Verhältnis 3:2), das sie gut aufnehmen und umwandeln können
Zufüttern ist also kein Widerspruch zur natürlichen Imkerei, sondern ein verantwortungsvoller Ausgleich.
💬 Wissen das eigentlich viele?
Die ehrliche Antwort: Nein.
Viele Konsument:innen gehen davon aus, dass Bienen „eh genug übrig haben“. Oder dass man ihnen „den Honig einfach wegnimmt, weil sie mehr produzieren, als sie brauchen“. Das stimmt in guten Jahren vielleicht – aber in klimatisch schwierigen Jahren wie 2025 sieht das anders aus.
👉 Auch durch den Klimawandel verschieben sich Trachtzeiten, fällt Nektar aus, verkürzt sich die Sammelperiode.
👉 Auch Parasiten wie die Varroamilbe oder Krankheiten wie Nosemose schwächen die Völker und lassen sie weniger sammeln.
Deshalb ist eine verantwortungsvolle Fütterung heute essenzieller denn je.
🔄 Der Ablauf: Von der Ernte bis zur Fütterung
- Erntezeitpunkt wählen – idealerweise bei gutem Wetter, wenn der Honig reif (verdeckelt) ist
- Honigräume entnehmen – zügig, bienenschonend, hygienisch
- Schleudern & Abfüllen – mit viel Liebe zum Detail
- Fütterung vorbereiten – saubere Behälter, richtige Lösung
- Zufüttern am Abend – damit keine Räuberei entsteht
- Kontrolle – ob der Sirup aufgenommen wird und genug Vorrat da ist
📊 Wie viel wird gefüttert?
Das hängt vom Standort und der Volksstärke ab. Bei uns bekommt ein gesundes Volk im Durchschnitt 15–18 kg Zucker (aufgelöst in Wasser), verteilt über mehrere Portionen.
Das Ziel: bis Ende August muss der Vorrat für den gesamten Winter ausreichen – danach fliegen die Bienen kaum noch.